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Was macht eigentlich...? - Interview mit Pastor Robert Pfeifer





Redaktion: Pastor Pfeifer, Sie waren vom 2000 bis 2005 sehr gern gesehener Pastor in unserer Kirchengemeinde, dann bis 2011 an St. Lorenz in Travemünde und sind seit 2011 an St. Marien in Lübeck. Wie ist es Ihnen dort ergangen?
Pastor Pfeifer: Sehr gut! Jede berufliche Station bietet die Gelegenheit für neue, wichtige Erfahrungen. Schön finde ich, dass die Kontakte nie abgerissen sind. In Travemünde hatte mich einmal eine Reisegruppe aus der Kirchengemeinde Halstenbek besucht und festgestellt, wie schön dieser Ort an der Ostsee ist. Und auch in Lübeck St. Marien habe ich bereits Halstenbeker getroffen! Ich erinnere mich an ein Offenes Singen in der Marienkirche, das ich im vorletzten Jahr angeboten habe, als Mitglieder aus allen meinen drei bisherigen Gemeinden zufällig beieinander waren. Das war sehr bewegend.

Welche Unterschiede zu Halstenbek gibt es?
Halstenbek, Travemünde und St. Marien sind sehr unterschiedlich geprägte Gemeinden mit eigenem Profil und eigenen Aufgaben. Im Kern geht es in allen Kirchengemeinden aber um dasselbe Anliegen, das die Bibel so beschreibt: „Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt“. Das versuchen wir als Christenmenschen glaubwürdig miteinander zu leben und zu bezeugen.

Manches Persönliche haben Sie schon beim damaligen Interview (im Gemeindebrief Frühling 2001) gesagt, z. B. zu Ihren Arbeitsbereichen und Schwerpunkten, wie Jugend- und Seniorenarbeit; so waren Sie auch im damaligen Kirchenkreis Pinneberg Mitglied in den entsprechenden Planungsausschüssen. Haben Sie Ihre Absichten und Ziele verwirklichen können?
In Travemünde habe ich mich intensiv um Jugendliche gekümmert, wir hatten ein eigenes Jugendhaus mit vielen Angeboten und haben in jedem Jahr eine 14tägige Sommerreise mit bis zu 60 Jugendlichen nach Norwegen veranstaltet. Übrigens habe ich die erste dieser Reisen im Jahr 2005 noch von Halstenbek aus organisiert. Das ist dann für mich eine tolle Tradition geworden. In St. Marien Lübeck steht die sog. „Versöhnungsarbeit“ im Zeichen des Nagelkreuzes aus Coventry im Vordergrund. Mit Jugendlichen war ich in Coventry und York, um das Projekt der „Community Of Cross Of Nails“ in England kennenzulernen. Auch für die Senioren in meinem Bezirk in Travemünde habe ich regelmäßige Treffen organisiert und hoffentlich dazu beigetragen, dass Menschen sich begegnen und kennenlernen konnten. Hier war ja auch der Bereich Tourismus sehr intensiv, ähnlich wie in St. Marien: Vielen Menschen, die sozusagen auf der Durchreise sind, begegne ich nur einmalig. Diese Begegnung sollte nachhaltig positiv und bewegend sein. In St. Marien biete ich z.B. spirituelle Kirchenführungen für Nachtschwärmer an, zu später Stunde in der atemberaubenden Kathedrale: Eine Sternstunde! Mit über 400.000 Gästen im Jahr gehört St. Marien zu den am meisten besuchten Kirchen Deutschlands, das ist natürlich eine große Aufgabe. Nicht zuletzt ist es eine Herausforderung, so ein Gebäude zu erhalten und zu bewirtschaften. Wir bewegen uns bei Sanierungsprojekten häufig im 7-stelligen Euro-Bereich.

Was bedeutet heute für Sie „Kirche“ und „Ökumene“?
Die Gläubigen unterschiedlicher Konfessionen und spiritueller Traditionen sollen sich vorbehaltlos begegnen und wertschätzen. Die verschiedenen Ausprägungen des Glaubens lassen sich ja auf dieselbe Sehnsucht zurückführen: Den Weg zum Ursprünglichen zu gehen und eine Beheimatung zu spüren. Wichtiger als die z.T. absurden Streitigkeiten zwischen den christlichen Konfessionen ist es, eine weltumspannende Erzählung von Religion zu etablieren, die die friedlich glaubenden Menschen in Einklang bringt. Daran hängt vermutlich die Zukunft der Menschheit.

Wie könnte man den leider kontinuierlichen Austritten begegnen?
Es ist allgemein zu beobachten, dass sich Menschen nicht mehr gern an Organisationen binden, es betrifft nicht nur die Kirchen. Lasst uns als Kirchen zweierlei tun: Jedem Menschen weitererzählen, dass er/sie von Gott liebevoll angeschaut ist! Und dann selbst hinschauen, wie sich dieses Angeschaut werden auswirkt auf mein Verhältnis zu den Mitmenschen, zur Schöpfung.

Wie haben Sie den Kirchentag erlebt?
Ich habe mindestens monatlich mit vielen Menschen aus dem Kirchentags-Liederheft „freiTöne“ gesungen, das anlässlich des Kirchentages im Reformationsjahr herausgegeben wurde. Wunderbare neue Lieder, die Herz und Verstand ansprechen und uns miteinander verbinden. Mit einer Gemeindegruppe waren wir bereits im letzten Jahr auf den Spuren Luthers in Erfurt, Eisleben, Wittenberg unterwegs.

Gern denke ich noch an unseren Gemeindeausflug 2004 nach Rom mit Ihnen und Rosi Brichta. Wie haben Sie ihn in Erinnerung?
Das war eine wunderbare Reise! Nette Teilnehmer, eine tolle Kollegin Rosi Brichta (Liebe Grüße!!), ein aufregendes Programm und einer der letzten öffentlichen Auftritte von Papst Johannes Paul II. im Petersdom. Wir haben als ökumenische Reisegruppe an seiner letzten Aschermittwochsmesse teilgenommen - das hat uns damals sehr verbunden.

Wie empfinden Sie im nach hinein Ihre Zeit in Halstenbek?
Halstenbek war meine erste Pfarrstelle und hat mir viele wichtige Erfahrungen ermöglicht. Das hat meinen beruflichen Weg geprägt, meinen Blick zugleich geweitet und geschärft. Was konkret bleibt, sind auch hier die Begegnungen mit den vielen beeindruckenden Menschen aus Krupunder und Halstenbek, mit ihren Geschichten und Erfahrungen, die ich einige Jahre lang teilen durfte. Wir waren gemeinsam unterwegs, und das ist ein Geschenk! Kommen Sie doch einmal mit Menschen der Gemeinde für einen Tagesausflug nach Lübeck, dann zeige ich Ihnen unsere beeindruckende gotische Basilika St. Marien, die Mutterkirche der Backsteingotik!

Das Interview führte Klaus Badewitz.