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Was macht eigentlich...? - Interview mit Diakon Arnulf Pfeifer





Redaktion: Herr Pfeifer, Sie waren vom 1986 bis 2009 Diakon in unserer Kirchengemeinde und wurden dort am 6. September 2009 verabschiedet. Genießen Sie jetzt Ihren Ruhestand?

Arnulf Pfeifer: Sehr gerne erinnere ich mich an meinen Abschiedsgottesdienst in der voll besetzten Erlöserkirche. Die Darbietungen der Kolleginnen und Kollegen, der gesungene Segensgruß des Kammerchores und die vielen Worte des Dankes und des Abschieds. Höhepunkt dieses Tages war Peter Dittmann, der mich mit seinem Trike von Halstenbek nach Holm in einen neuen Lebensabschnitt fuhr. - Die Vorfreude auf „jetzt habe ich viel mehr Zeit für mich“ währte nicht lange. Mit diversen Aufgaben im Haus und Garten sowie das tägliche Kochen für die Familie wurde ich überschüttet. Seit Mai 2014 wohne ich jetzt alleine in einer kleinen Wohnung in Wedel, 100 Meter Luftlinie zur Elbe. - Der Feuerwehr in Holm bin ich treu geblieben. Einmal monatlich koche ich für die Holmer Kameradinnen und Kameraden und seit vielen Jahren bin ich im Festausschuss der Wehr aktiv. - Viel Freude bereitet mir die ehrenamtliche Arbeit im Museumshafen Oevelgönne in Hamburg-Altona.

Sie waren als Diakon zuerst in der Jugend-, dann in der Nachfolge von Pastor Czycholl in der Seniorenbetreuung tätig. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Tätigkeiten und welche Projekte konnten Sie verwirklichen?

In den ersten Jahren war die Jugendarbeit in der Arche Noah mein Arbeitsschwerpunkt. Besonders erwähnen möchte ich die Planung, Organisation und den anschließenden Bau eines Biotops (Ökoteich) mit 14 Jugendlichen auf dem Gelände hinter der Arche Noah. - Eine dreiwöchige Reise 1989 mit 21 Jugendlichen wurde von einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorbereitet und führte uns durch Dänemark, Norwegen und Schweden. Ebenso erlebnisreich und abenteuerlich war ein Jahr später die dreiwöchige Deutschlandfahrt. Ein tolles Erlebnis war auch eine zehntägige Fahrradtour durch Ostholstein. - Ja, und was so ein richtiger Diakon ist, der packt auch gerne mal mit an. Schnell erkannten die Verantwortlichen, dass ich mich auch gerne handwerklich betätige, was der Gemeinde bei verschiedenen Renovierungsarbeiten zu Gute kam. Gerne, aber auch ungerne erinnere ich mich an den Dachbodenausbau (Fußboden) der Erlöserkirche. Die Holzarbeiten haben Spaß gemacht, im Gegensatz zum Auf- und Abstieg durch einen Teil des Kirchturms - ich habe nämlich immer noch Höhenangst. - Die Übernahme des Seniorenkreises von Herrn Czycholl war gar nicht so einfach, denn auch noch nach Monaten war Pastor Czycholl in Gedanken bei mehreren Teilnehmerinnen irgendwie immer noch präsent. Mittlerweile hatte ich mein Büro von der Arche Noah in die Friedrichstraße verlegt. Neue Aufgaben wurden mir übertragen: Betreuung und Aufgabenplanung der Zivis, Mitarbeit beim Gemeindebrief, Planung und Mitorganisation diverser Veranstaltungen und den jährlichen Gemeindefesten, sowie die Vorbereitung und Durchführung vieler Gemeindeausflüge. Nicht zu vergessen die jährliche Suche mit Günter Steffen nach einem geeigneten Weihnachtsbaum für die Erlöserkirche und die Arche Noah. Immer wieder spannend das Aufstellen des großen Baumes in der Erlöserkirche.

2001 fand das erste Krupunder Fest mit ökumenischem Gottesdienst statt, dem weitere folgten, bei deren Organisation Sie entscheidend beteiligt waren. Soweit ich mich erinnere, fanden nach den Bauarbeiten am S-Bahnhof und Ihrem Weggang dann keine mehr statt. Haben Sie diese „Mehrarbeit“ gern auf sich genommen?

Schon beim 1. Krupunder Fest hatten mich Pastor Dierks und Bürgermeister Egge gebeten, mit Hand anzulegen. Nach dem 2. Fest wurde die „Interessengemeinschaft Geschäftsleute Krupunder“ ins Leben gerufen, die es sich als Ziel gesetzt hatte, die nächsten Feste zu planen und zu organisieren. Herrn Pastor Dierks und dem damaligen Kirchenvorstand sei Dank, dass ich dieser Interessengemeinschaft angehören konnte. Schon bei der Planung des 3. Krupunder Festes hatten mich die Geschäftsleute und die Kirchengemeinde gebeten, die Gesamtorganisation (die Interessengemeinschaft im Rücken) zu übernehmen. Dass diese Feste in Krupunder so gut ankamen, ist nicht zuletzt der sehr guten Vorbereitung und Zusammenarbeit mit der Gemeinde Halstenbek, den Gemeindewerken, den beiden Kirchengemeinden, der Feuerwehr und den vielen Vereinen, Verbänden und Geschäftsleuten zu verdanken. Trotz der vielen zusätzlichen Arbeitsstunden möchte ich diese Zeit niemals missen.

Was bedeutet heute für Sie heute „Kirche“ und „Ökumene“?

Es war jedes Jahr für mich ein Höhepunkt, wenn am Sonnabend vor dem Krupunder Fest das große Rundzelt des Halstenbeker Schützenvereins auf dem Krupunder Bahnhofsvorplatz für den ökumenischen Gottesdienst aufgebaut wurde. Es sollte sein und war auch immer wieder für alle ein zentraler Punkt. Gleich welcher Konfession gemeinsam singen, beten und den gesagten Worten zuhören. Das ist für mich ein ganz wichtiger Bestandteil der Ökumene. - Mein Großvater und mein Vater waren Pastoren. Zwei meiner Brüder sind Pastoren. Eine Schwägerin ist Pastorin. Viele Jahrzehnte war Kirche dicht (hautnah) um mich herum. Heute genieße ich es, mir auch mal ganz in Ruhe einen Gottesdienst im Radio anzuhören, im Fernsehen anzuschauen oder ein Kirchenkonzert live zu besuchen. - Kirche wird lebendiger, wenn ökumenische Gottesdienste u.a. im Museumshafen Oevelgönne, beim jährlichen Hamburger Hafengeburtstag oder auch bei vielen Feuerwehrfesten u.v.a.m. nicht mehr weg zu denken sind.

Was kann man aus Ihrer Sicht tun, um wieder mehr Menschen für die Kirche und ihre Angebote zu interessieren?

Leider kann man das Handy und das Internet nicht verbieten. In unserer fortschrittlichen Zeit sind die meisten Menschen darauf angewiesen (häufig auch ich). Daher müsste sich Kirche viel mehr unter das Volk mischen, noch mehr präsent sein. Leider sind noch zu viele Pastorinnen und Pastoren von sich überzeugt, dass sie etwas ganz Besonderes sind. Das spüren Menschen. Menschen auf Augenhöhe begegnen, das trauen sich aber nur wenige. Die Hemmschwelle ist zu groß. Kirche könnte damit beginnen, diese Hemmschwelle abzubauen. - Und dann: Das Ehrenamt! Bei Kirche schwer weg zu denken. Viele Frauen und Männer füllen dieses Ehrenamt mit gewollter Leidenschaft aus. Nur wird dieses zum Teil sehr sensible Ehrenamt von nicht wenigen Verantwortlichen als die größte Selbstverständlichkeit gesehen und leider nicht selten ausgenutzt. Auch das empfinden und erkennen Menschen. Mir macht es aber wiederum Mut zu wissen, dass es auch viele Pastorinnen und Pastoren gibt, die in ihrer offenen und fröhlichen Art gerne Menschen um sich haben.

Wie finden Sie (als „Fachmann“ im graphischen Gewerbe) den jetzigen Gemeindebrief?

Ein neuer ansprechender Gesamteindruck. Er macht neugierig hinein zu schauen. Der Farbdruck spricht mich an. Die Farbfotos machen diesen Brief lebendiger. Am Inhalt hat sich nicht viel geändert. Das Format ist für viele Briefkästen ungeeignet.

Wie gern denken Sie an Ihre 23 Jahre in der Kirchengemeinde Halstenbek zurück? Was hat Sie gefreut, was geärgert?

Wenn Sie mich so direkt fragen, eine direkte Antwort: Geärgert hat es mich, dass ich mich auf Grund der damaligen Fusionierung der Kirchenkreise habe überreden lassen, schon mit 63 Jahren vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Das macht sich bei meiner jetzigen Rente nicht unerheblich bemerkbar. - Gerne denke ich an die vielen Kolleginnen und Kollegen zurück, mit denen ich in den 23 Jahren in der Kirchengemeinde zusammen arbeiten durfte (Gemeindefeste / Mitarbeiterausflüge…). Viele Menschen habe ich in Halstenbek kennen gelernt, von denen ich einige in Hamburg oder hier in Wedel per Zufall getroffen habe. Die Tanzveranstaltungen „Danz op de Deel“ mit großer Tombola in der Arche Noah sind mir in ganz besonderer Erinnerung. - Ich grüße alle Halstenbekerinnen und Halstenbeker sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Kirchengemeinden, besonders all die, die mich noch kennen, und wünsche Ihnen und Euch eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit.

Das Interview führte Klaus Badewitz.