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Was macht eigentlich...? -
Interview mit Pastorin Sabine Denecke



Redaktion: Frau Denecke, Sie waren von 1992 bis 2004 in unserer Kirchengemeinde tätig, zuerst als Vikarin, dann (nach kurzer Unterbrechung) vom 1.8.1994 bis 1.8.2002 als Pastorin auf der 2. Pfarrstelle, dann (während Ihrer Tätigkeit als Krankenhausseelsorgerin in Pinneberg) noch 2 Jahre mit 25% an der Arche Noah. Danach waren sie von 2004 bis 2013 erst mit halber, später mit ganzer Stelle Pastorin in Bönningstedt und mit Dienstauftrag auch Ökumenepastorin im Kirchenkreis. Seit September 2013 sind Sie nun in der Beratungsstelle für kirchliche Arbeit unseres Kirchenkreises tätig. Welche Aufgaben haben Sie dort?
Sabine Denecke: Die Beratungsstelle für kirchliche Arbeit ist Anlaufstelle für alle haupt- und ehrenamtlich Tätigen in unserem Kirchenkreis. Mein Kollege und ich sind mit unterschiedlichen Beratungsformaten unterwegs. Supervision für Einzelne und Teams, Beratung, Konfliktklärung, Teambildung, Seelsorge und anderes. Jede und jeder kann sich an uns wenden und wir versuchen vertraulich und kontraktbezogen die Fragen und Anliegen der Mitarbeitenden zu begleiten. Das ist, wenn man so will, jetzt kirchliche Arbeit in zweiter Reihe. Nach 20 Jahren direkter Arbeit an unterschiedlichen Stellen freue ich mich jetzt darüber, dass ich meine Erfahrungen und Kompetenzen auf diese Weise weitergeben kann.

Obwohl Sie ja immer wieder als Gottesdienst-Vertretung tätig sind (z.B. in Waldenau und Pinneberg), wie zufriedenstellend ist eine mehr „unsichtbare“ Aufgabe?
Ich mag diese Aufgabe sehr. Die Gespräche sind in der Regel sehr intensiv, immer geht es darum, den Menschen zu helfen, dass sie ihre Arbeit zufriedener und erfolgreicher machen können. Auch die Begleitung von Kirchengemeinderäten ist sehr spannend. Die Gemeinden in dieser Zeit zukunftsfähig zu machen, ist eine große Herausforderung für uns alle und ich bin dankbar, dass ich dazu beitragen kann. Gleichzeitig freue ich mich, dass ich von den Gemeindepastorinnen und -pastoren für Vertretungsdienste angefragt werde. Seit März 2016 habe ich auch einen Predigtauftrag in der Osterkirchengemeinde für Kummerfeld, Prisdorf und Borstel-Hohenraden und kann dort regelmäßig den Kollegen mit Gottesdiensten unterstützen. Darüber hinaus werde ich immer mal wieder für andere Amtshandlungen angefragt. So kann ich diesen Teil pastoraler Arbeit auch weiter ausüben. Das macht mir auch viel Freude.

Bei Durchsicht unserer (im Laufe der Jahre etwas veränderten) Gemeindebriefe stelle ich fest, dass es in Ihrer damaligen Zeit zu keinem Interview gekommen ist. Trotzdem die Frage: Haben Sie Ihre Absichten und Ziele verwirklichen können?
Manchmal entwickeln sich Ziele ja erst im Weitergehen. Als ich in Halstenbek gelebt und gearbeitet habe, hatte ich nicht im Sinn, einmal in der Beratungsstelle für kirchliche Arbeit meinen Dienst zu tun. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass sich ein roter Faden durch meine Tätigkeit zieht. Die beraterischen Ausbildungen, die ich schon in Halstenbek begonnen hatte, haben es mir ermöglicht, das zu tun, was ich heute mache. Eines meiner grundlegenden Ziele ist es immer gewesen, Menschen in ihrem Leben (und in ihrem Arbeiten) so zu begleiten, dass sie ihre von Gott geschenkten Fähigkeiten und Potentiale erkennen und einsetzen können. Das gilt in der Gemeindearbeit genauso wie jetzt in der Beratung der Mitarbeitenden. Insofern: ja, ich denke ich habe einige meiner Ziele verwirklicht.

Welche Unterschiede gab es zwischen den Gemeinden Halstenbek und Bönningstedt?
In Halstenbek habe ich damals mit einer Kollegin und zwei Kollegen gearbeitet. Da verteilen sich die Arbeit und auch die Erwartungen auf mehrere Schultern. Bönningstedt hat eine Einzelpfarrstelle, da ist es eine Herausforderung, den Erwartungen der Menschen angemessen zu begegnen und auf der einen Seite die pastorale Rolle auszufüllen, auf der anderen aber auch der Gemeinde ihren Gestaltungsspielraum zu lassen. Natürlich ist Halstenbek viel größer als Bönningstedt. Ich sage gern etwas scherzhaft: in Halstenbek wusste ich, dass die Leute über mich reden … in Bönningstedt kamen die Gerüchte auch wieder zu mir zurück.

Wie empfinden Sie Ihre Zeit in Halstenbek? Welche Ereignisse haben Sie besonders in Erinnerung?
Oh, meine Erinnerungen würden den Rahmen dieses Interviews sicher sprengen. Ganz besonders erinnere ich mich aber an die 700-Jahr-Feier der Gemeinde. Das waren sehr bewegende Feiern. Auch unser damaliges Engagement für den Erhalt des Buß- und Bettages werde ich nicht vergessen. Im Talar mit der S-Bahn von Halstenbek nach Krupunder, das war schon etwas sehr Außergewöhnliches. Auch die Spurensucher, eine Gesprächsgruppe für Erwachsene, werde ich immer in guter Erinnerung behalten. Meine Zeit in Halstenbek war ja der Beginn meiner Arbeit als Pastorin. Es ist ein bisschen so wie bei einer ersten Liebe. Da bleiben viele Erinnerungen und die Zeit hat mich sehr geprägt.

Was bedeutet für Sie „Kirche“ und „Ökumene“?
Das sind für mich zwei Seiten einer Medaille. Kirche ist im Grunde ökumenisch angelegt. Dass wir sie in unterschiedliche Konfessionen zerteilt haben, ist eine menschliche, keine göttliche Idee. So denke ich Kirche eigentlich immer über ihre verfassten Grenzen hinaus. Das gilt auch für die Sprach- und Kulturgrenzen. Seit mehr als 20 Jahren engagiere ich mich in der Partnerschaftsarbeit des Kirchenkreises mit Südafrika. Diese Erfahrungen erinnern mich immer daran, dass es Kirche auch ganz anders geben kann und geben wird, als wir sie hier in Deutschland in den letzten Jahrzehnten gestaltet haben.

Wie könnte man den leider kontinuierlichen Austritten begegnen?
Ich habe mich dazu entschieden, die Kirchenaustritte als Zeichen der Zeit zu deuten und mir keine Sorgen zu machen. Sie sind keine Bedrohung für die Kirche, sie stellen nur unsere Organisation von Kirche infrage. Ich bin eher dabei, nach anderen und neuen Formen von Kirche zu suchen. So, wie wir die Kirche nach dem 2. Weltkrieg gestaltet haben und heute noch leben, stimmte es für diese Zeit. In der heutigen Zeit braucht es andere Gestaltungsformen, die wir heute vielleicht noch gar nicht kennen.

Sie sind ja durch Ihre Mutter (Vera Bestgen) der Kirchengemeinde Halstenbek noch immer verbunden, z. B. als Gast beim Kirchenfrühstück in der Arche Noah. Hat sich die Gemeinde verändert?
Ich glaube (und hoffe), dass die Gemeinde sich verändert hat. Was ich an der Kirchengemeinde Halstenbek immer sehr geschätzt habe, ist, dass sie sich meist auf die aktuellen Gegebenheiten eingestellt hat und hier oft eine Vorreiterrolle eingenommen hat. Das hat sich nach meiner Wahrnehmung zum Glück nicht geändert. So sind viele Dinge inzwischen anders und neu und das ist gut so.

Wie gefällt Ihnen der „neue“ Gemeindebrief?
Mir gefällt die graphische Darstellung und nach wie vor die Ausführlichkeit der Informationen.

Das Interview führte Klaus Badewitz.