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Frauen in der Bibel



Frauen in der Bibel - Wie haben Frauen den christlichen Glauben beeinflusst?

Die Frage, wie Frauen den christlichen Glauben beeinflusst haben und wie sie im Alten und im Neuen Testament dargestellt werden, ist nicht nur von historischem Interesse. Als weibliche Person ist das Thema auch deshalb besonders wichtig, weil man sich durchaus die Frage stellt, wie man ein solch vermeintlich sexistisches Buch eigentlich unterstützen kann. Um die Frage genauer beantworten zu können, ist es sinnvoll, sich verschiedene Bibelstellen im Detail anzuschauen und sie ggf. mit anderen Übersetzungen des Originaltextes zu vergleichen. Dabei sollte auch auf die unterschiedliche Wirkung der Texte geachtet werden.

Der Einfluss der Sprache auf das Bild der Frauen

In den letzten dreißig Jahren hat sich die deutsche Sprache sehr verändert. Wurde über große Gruppen gesprochen, nutzte man in der Vergangenheit meist rein männliche Formen. Es wurde z.B. von „Schülern“ oder „Studenten“ gesprochen, wobei „Schülerinnen“ oder „Studentinnen“ dann allenfalls mitgemeint wurden. Heute wird i.d.R. die weibliche Form dazu genommen, um beide Geschlechter sichtbar zu machen. Auch im Sprachgebrauch der Bibel sieht es so aus, dass in den Übersetzungen im Allgemeinen die männliche Form genutzt wird, wenn über eine größere Gruppe Menschen gesprochen wird. Im Altgriechischen war es üblich, bei einer Gruppe bestehend aus Männern und Frauen im Plural die männliche Form zu benutzen. Jedoch ist es in vielen Fällen bewiesen, dass Frauen dabei waren. Durch die Nutzung der männlichen Pluralform wird das Gefühl vermittelt, es waren nur Männer anwesend und nur Männer würden angesprochen. Neuere Bibelübersetzungen wie die „Bibel in gerechter Sprache“ (erschienen im Jahr 2006) versuchen, diesen Eindruck zu korrigieren.

Frauen in der Nachfolge Jesu

Unter den Nachfolgern Jesu befanden sich viele Frauen. Aus dem Lukasevangelium 8, 1-4 wird besonders deutlich, dass sie als Jüngerinnen zum engeren Kreis um Jesus gehörten. Auch zur Leitung der Kirche gehörten sie. Im Römerbrief 16,7 lässt Paulus Grüße an Junia ausrichten, die er zu den Aposteln zählt. Lange Zeit wurde hier der männliche Name Junias gelesen, ein Name, der jedoch zur Zeit der Entstehung des Textes nicht existierte. Es handelt sich dabei vielleicht um den Versuch der späteren Kirche, die Existenz weiblicher Apostel zu verheimlichen, deshalb wurde der Name von Junia in Junias verändert. Denn mit der Begründung, Jesus habe nur Männer als Apostel erwählt, ließ sich rechtfertigen, dass auch nur Männer hohe kirchliche Ämter übernehmen konnten.

Frauen im Alten Testament und ihre Bedeutung


Eine Geschichte aus dem AT, die sehr bekannt ist, jedoch Frauen in einem sehr negativen Bild zeigt, ist die Geschichte von Adam und Eva. Der Erschaffung Evas aus Adams Rippe, um ihm zu dienen, ist eine der am häufigsten angeprangerten Textstellen, wenn es um Sexismus in der Bibel geht. Aus dieser Stelle kann aber genauso interpretiert werden, dass Gott Eva nicht schuf, um Adam zu dienen, sondern, damit er nicht mehr alleine ist. Eva wird als „Gehilfin“ Adams bezeichnet. Dieses Wort kann sehr unterschiedlich interpretiert werden. Einerseits so, dass sie „nur“ seine Gehilfin ist; andererseits als Hilfe, von der er genauso wie sie von ihm abhängig ist. Von der Rolle des Mannes als Herr über die Frau ist erst nach dem Sündenfall die Rede.

Eine weitere interessante Beobachtung, die häufig übersehen wird, ist, dass in der Bibel zwei Entstehungsgeschichten stehen, die einander widersprechen. Im ersten Schöpfungsbericht (1. Mose 1, 1-2,4) erschafft Gott die Welt in sechs Tagen, und am sechsten Tag schuf er den Menschen nach seinem Bild, Mann und Frau zur gleichen Zeit. Als Gleichberechtigte sollen sie über die Erde herrschen. Im zweiten Schöpfungsbericht (1. Mose 2, 4-ff.) wird die Geschichte Adams und Evas erzählt. Der Ablauf der Schöpfung ist hier ein anderer, die Rollen von Mann und Frau sind hier andere. Dass die Bibel sich hier widerspricht, zeigt, dass nicht alles, was in ihr steht, der Wahrheit entspricht. Sie muss interpretiert werden und die Ergebnisse der Interpretation sind offen.

Im AT begegnet uns etwas, was für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich war und was in der bekannten Literatur erst Jahrhunderte später wieder auftauchen sollte: es begegnen uns Bücher, die nach Frauen benannt wurden und deren Heldinnen Frauen waren! Zu finden sind das Buch Rut und das Buch Ester, ein weiteres, das Buch Judit, gehört zu den sog. Apokryphen. In allen drei Büchern geht es um außergewöhnliche Frauen und ihre Taten, doch das wohl bemerkenswerteste unter ihnen ist das Buch Rut. In ihm geht es um zwei einfache Frauen, die versuchen müssen, mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen.

Rut ist die Schwiegertochter von Noomi, einer israelitischen Frau, die im Land der Moabiter lebte. Als Noomis Mann und ihre beiden Söhne starben, waren beide Witwen. So beschließt Noomi, in ihre Heimat nach Bethlehem zurück zu kehren und fordert ihre beiden Schwiegertöchter auf, im Land der Moabiter zu bleiben. Rut aber möchte bei Noomi bleiben und schwört ihr Treue mit Worten, die bei uns heutzutage eher bei Hochzeiten gebraucht werden: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Nur der Tod wird mich und dich scheiden.“

Dies war damals ein gewagter Beschluss und eindeutiges Zeichen für Ruts persönliche Freiheit, da Frauen zu dieser Zeit alleine keinerlei Ansehen oder Möglichkeit auf ein Einkommen hatten. In der neuen Heimat fing Rut an, als Ährenleserin nach Essen zu suchen, was wahrscheinlich viele Witwen der damaligen Zeit getan haben, um zu überleben. Sie tat dies auf dem Feld von Boas, eines entfernten Verwandten Noomis. Mit Noomis Hilfe bringt Rut Boas dazu, sie zu heiraten, kurz darauf erwartet sie einen Sohn. Zwar geht es in der Erzählung auch um die Beziehung zwischen Boas und Rut, im Mittelpunkt aber steht die Geschichte von Rut und Noomi, die ohne einander vermutlich nicht so weit gekommen wären, wie sie es sind.

Als Rut am Ende des Buches ein Kind bekommt, wird dieser als Großvater König Davids bezeichnet, er ist damit auch Vorfahre von Jesus Christus. Dieser letzte Teil der Geschichte trägt den Titel „Boas heiratete Rut, die Stammesmutter Davids“. Nicht Boas ist also der Stammesvater Davids, sondern Rut, eine einfache Frau aus dem Ausland! Ihr wird somit eine besonders wichtige Rolle zugewiesen, da König David einer der wichtigsten Persönlichkeiten innerhalb des AT war. Rut gehört dann auch zu den vier Frauen, die zu Beginn des Matthäusevangeliums im Stammbaum Jesu namentlich erwähnt wird.

Frauen im Neuen Testament und ihre Bedeutung

Ganz unterschiedlich wird Maria, die Mutter Jesu, gesehen. Vor allem in der katholischen Kirche gilt sie als Sinnbild für Demut und Reinheit. Weil sie als Jungfrau Jesus geboren hat, wird ihre Sündlosigkeit betont. Dies wird aber nicht selten von Teilen der Kirche als Argument gegen Frauen benutzt. Sie sei die Ausnahme von der Erbsünde, ein Zustand, den andere Frauen nicht erreichen könnten. Aber es gibt auch eine „revolutionäre“ Maria. Im Lobgesang (Lukasevangelium 1, 46-55) preist sie Gott, weil er die Macht hat, die sozialen und politischen Verhältnisse zu verändern, alle neu zu machen. Im Lobgesang heißt es: „Gott übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.“ Dieser Text liest sich wie der Text einer Rebellin! Deshalb haben in vielen Aufständen in der Geschichte Menschen, die für ihre Rechte kämpften (von den Bauernkriegen zur Zeit Martin Luthers bis zu den Revolutionären Lateinamerikas), Marienstatuen als ihr Symbol genutzt. Mit Maria konnten sie sich identifizieren, sie und ihr Mann kamen aus armen Verhältnissen, und dennoch war sie es, die den Messias zur Welt gebracht hat.

An Maria wird auch besonders deutlich, wie sehr interpretierende Übersetzungen unsere Sicht auf die Menschen der Bibel prägen. Martin Luther übersetzt zu Beginn des Lobgesangs von Maria: „(Gott) hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.“ Hören wir von Knechten und Mägden, dann entsteht in uns vielleicht ein romantischeres Bild mit Bauernhofidylle. Wird aber übersetzt: „Gott hat auf die Erniedrigung seiner Sklavin geschaut“, dann wird die ganze Gewalttätigkeit der damaligen Zeit, die Behandlung der Sklaven, der Missbrauch von Frauen präsent.

Gerade das NT ist reich an Geschichten von Frauen, die durch Wunder Jesu vom Rande in die Mitte der Gesellschaft geholt werden, die von ihm als Gleichberechtigte behandelt werden oder in unabhängigen Rollen bestätigt werden.

Hervorzuheben ist insbesondere die Geschichte der Schwestern Martha und Maria (Lukasevangelium 10, 38-42): Martha und Maria schienen zwei von Grund auf verschiedene Personen zu sein. Martha verhält sich so, wie es damals wohl von Frauen erwartet wurde. Als Jesus und die Jünger sie besucht, macht sie sich daran, den Männern zu dienen. Doch Maria setzt sich zu Jesus Füßen und hört ihm zu. Schüler saßen zu den Füßen eines Rabbis, wenn dieser ihnen die Thora lehrte, was bedeutet, dass Maria zu diesem Zeitpunkt Theologie lernte, was sonst nur Männern vorbehalten war. Als Martha Jesus fragt, ob er Maria nicht zurechtweisen wolle, damit sie ihr helfe, antwortet dieser: „Maria hat das gute Teil erwählt; das soll ihr nicht genommen werden.“ Jesus lässt Maria also gleichberechtigt mit den Jüngern lernen, sie durfte dies tun und wie jede andere Frau hatte sie das Recht dazu.

Fazit

Es ist deutlich geworden, dass Frauen einen sehr großen Einfluss auf den christlichen Glauben hatten. Jesus hat sie gestärkt und gleichberechtigt behandelt, sie haben gepredigt und missioniert. Dieser Einfluss wurde jedoch von Männern klein oder ganz unsichtbar gemacht. Dies gilt gerade für Funktionen, die Frauen in leitenden Aufgaben in den Gemeinden im frühen ersten Jahrhundert hatten.

Frauen haben die ganze Bibelgeschichte über hinweg den Glauben durch ihre Hilfe vorangetrieben und ohne sie wären wir nicht, wo wir heute sind.

Marie Blume

Dieser Artikel basiert auf der Religion-Facharbeit „Frauen in der Bibel - Inwiefern haben Frauen den christlichen Glauben beeinflusst?“ von M. Blume. Sie ist Schülerin der 11. Klasse an der Stadtteilschule Lurup und wurde 2018 in der Arche Noah konfirmiert. Für den GRUSS AN DIE GEMEINDE wurde die Facharbeit von Pastor Lei stark verkürzt bearbeitet.