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Geistliches Wort: Spielen, toben, singen



Eines der besonders schönen Dinge im Frühling (im Moment hat man ja schon fast das Gefühl, es wäre Sommer) ist, dass man Eis essen gehen kann. In Halstenbek geht das gut im Café Eis Stern in der Hauptstraße oder - da gehe ich besonders gerne hin - im Kleinen Café Krupunder, direkt am S-Bahnhof. Da ist auch mein Hund Rio herzlich willkommen und ich finde auch immer auch eine MOPO zum durchblättern...

Einen sehr überzeugenden Kommentar las ich in einer der letzten Ausgaben: „Wir brauchen keine Programmierer, sondern Sänger!“ hieß es dort. Wie wahr!

Zwar wird die Digitalisierung immer mehr die Arbeitswelt der Zukunft prägen und man könnte deshalb meinen, dass vorrangig IT-Spezialisten usw. ausgebildet werden sollten. Aber, so der Standpunkt des MOPO-Autors, in einer digitalen Welt werden immer mehr Maschinen praktische Aufgaben übernehmen, Menschen werden dafür in der bisherigen Zahl nicht gebraucht. Das heißt aber auch, dass wir in eine Welt steuern, die wir komplett neu erfinden müssen. Wie verbringen wir unsere Zeit? Was ist richtig, was ist falsch? Was sind unsere Werte? Da wird dann nicht die Kenntnis von Programmiersprachen allein wichtig sein, sondern dass wir eine gute und sichere Wertebasis haben, damit wir in dieser immer komplizierteren und unübersichtlicheren Welt die richtigen Entscheidungen treffen können.

Mir fällt dabei noch etwas anderes auf: ein seltsamer Trend ist ja gegenwärtig zu beobachten. Schon in ganz jungen Jahren müssen Kinder, so meinen viele Eltern, fit gemacht werden für die Zukunft. Sie müssen sich so früh wie möglich vorbereiten auf die Herausforderungen des modernen Lebens. Und das heißt dann: sie müssen so schnell wie möglich lernen, mit digitalen Medien umzugehen und außerdem sollten sie am besten schon in der Kita anfangen, englische und chinesische Vokabeln zu pauken. Nur so werden sie später einmal in einer globalisierten Arbeitswelt erfolgreich sein können. Im Ernst?

Wahrscheinlich ist das das Falscheste, was man überhaupt machen kann! „Wir brauchen keine Programmierer, sondern Sänger!“

Ich bin kein Gehirnwissenschaftler und auch kein Pädagoge, aber genau das brauche ich auch nicht zu sein, um zu wissen, dass die entscheidenden Fähigkeiten von Menschen - großen Erwachsenen und kleinen Kindern - soziale Fähigkeiten sind. Und die entwickeln sich am besten beim freien, ungesteuerten Spielen, einfach so, beim Toben mit Freunden, insbesondere auch beim Singen. Wahrscheinlich werden genau dann sogar die Bereiche im Gehirn angeregt oder ausgebildet, die später einmal wichtig dafür sind, abstraktes Wissen aufnehmen zu können. Nochmal: Kinder sollen spielen, rennen, singen, einfach so, der sog. „Ernst des Lebens“ kommt schon noch schnell genug und dafür ist dann auch immer noch genug Zeit.

Und wir Erwachsenen? Auch wir entwickeln die besten Ideen und Gedanken wohlmöglich nicht am Schreibtisch und in Meetings - können Sie sich erinnern, wann Sie das letzte Mal in einem produktiven Meeting waren? Ich nicht! -, schon gar nicht unter Druck, sondern eher bei einem Eis, wenn einem die Sonne ins Gesicht scheint.

Ihr Pastor Malte Lei