Evangelisch
Katholisch
Impressum&Datenschutz

Begegnung: Pastor em. Arno Czycholl,
Prediger und Segler - mit Leidenschaft



Pastor Arno Czycholl war von 1964 bis 1994 in Halstenbek tätig. Anlässlich seines 90. Geburtstages vor kurzer Zeit, haben wir uns gefragt, wie es ihm heute geht und wie er seinen Ruhestand verbringt. So sind Pastor Lei und ich gemeinsam ins Alte Land gefahren, um ihn und seine Schwester Rosemarie zu besuchen. Bei leckerem Kaffee und selbstgebackenem Kuchen sprachen wir über das Leben des Pastors und seiner Schwester. Unsere Fragen musste Frau Czycholl beantwortete, denn Herr Czycholl hatte vor wenigen Jahren einen Unfall und kann seitdem nur noch schlecht sprechen.

Arno Czycholl wuchs in einer evangelischen Familie in Masuren im ehemaligen Ostpreußen auf, von wo er im Januar 1945 fliehen musste.
Die Familie Czycholl wurde nach ihrer Ankunft in Schleswig-Holstein in Heilshoop in der Nähe von Lübeck untergebracht. Direkt nach Ende des Krieges ging der damals 16-Jährige weiter in Lübeck zur Schule, um sich auf sein Abitur vorzubereiten. Da er allerdings jeden Tag einen Schulweg von fünfzehn Kilometern zurück legen musste und es damals zu wenig Essen für die Bevölkerung gab, ging er von der Schule ab und begann zeitweise in der Landwirtschaft zu arbeiten, weil er dort genug zu essen bekam. Später beendete er das Gymnasium dann aber doch und begann in Kiel, Theologie zu studieren.
Sein Berufswunsch entwickelte sich vor allem durch viele Diskussionen mit seinem Religions- und Deutschlehrer, doch auch die Kriegserlebnisse beeinflussten Czycholl zusätzlich bei seiner Wahl, Pastor zu werden. Er wollte gegen Kriege und für mehr Frieden für die Menschen arbeiten.
Während seines Studiums arbeitete er in den Semesterferien in Oberhausen im Bergwerk, um Geld für sein Studium zu verdienen. Dazu sagte seine Schwester, dass er immer „das Extreme“ gesucht habe und deshalb auch die Arbeitsbedingungen in einem Bergwerk kennenlernen wollte.
Extrem waren auch seine Hobbys, denen er auch während seiner Zeit in Halstenbek nachging. Er reiste sehr gerne und war in vielen Ländern der Erde, „aber er reiste nicht nur zur Entspannung“, sagt seine Schwester. Pastor Czycholl wollte andere Kulturen und vor allem Religionen kennen lernen und wirklich erleben. Vor allem für seine Predigten nahm er viel von seinen Reisen mit. Im Gottesdienst in der Erlöserkirche fanden seine Predigten oft kein Ende, weil er immer weiter assoziierte und auch auf seine Reiseerlebnisse zu sprechen kam…
Als er 1964 mit seiner Schwester und seiner Mutter nach Halstenbek kam, zog die Familie in das Pastorat neben der Erlöserkirche, welches bis 1994 sein Zuhause war.
Sein zweites Zuhause war allerdings sein Segelboot. Pastor Czycholl liebte das Segeln und besaß ein eigenes Segelboot, mit dem er fuhr, sooft sich ihm eine Gelegenheit bot. Auch Konfirmanden begleiteten ihn oft auf seinen Segeltörns, die immer unter Zeitdruck stattfanden, sodass von der jeweiligen Mannschaft viel Geduld und Disziplin aufgebracht werden musste.
Die Arbeit mit den Menschen war ihm in seinem Beruf am wichtigsten. Wie seine Schwester erzählt, hatte er oft Sorgen, der Pfarrberuf würde immer mehr verwaltend werden und die Arbeit am Menschen, die Seelsorge und die Hausbesuche würden mit der Zeit vernachlässigt werden.

Auf unsere Frage, ob er seine Berufswahl jemals bereut habe, bekamen wir ein klares „nein“ als Antwort. Pastor Czycholl liebte seinen Beruf und auch Halstenbek, so sehr, dass er die Pfarrstelle bis zu seiner Pensionierung niemals wechselte und auch danach noch oft zu Besuch nach Halstenbek kam. Auch Problemen in der Gemeinde ging er nie aus dem Weg, denn sein Leitspruch war schon immer: „In der Überwindung liegt Freude“ von Jakob Böhme, einem deutschen Philosophen.

1994 wurde Pastor Czycholl dann pensioniert und er fuhr direkt in die Urlauberseelsorge. Er arbeitete in Italien, Polen und Österreich auch noch in den folgenden Jahren. Seine Hobbyseglerei wurde jetzt intensiv von der Sportfliegerei ersetzt, mit und ohne Motor. Theologisch beschäftigte sich Herr Czycholl nun mehrere Jahre mit dem Protestantismus in Preußen und fuhr hierfür oft nach Berlin. Außerdem bot sich für ihn mit der Pensionierung endlich auch mehr Zeit, die er bis heute viel mit der Familie verbringt. Er und seine Schwester haben beide nie geheiratet, doch der dritte mittlerweile verstorbene Bruder, der in Bonn lebte, hatte eine große Familie, mit der Pastor Czycholl und seine Schwester im engen Kontakt stehen und die oft im heutigen Zuhause der Czycholls in Jork zu Besuch ist.

In das Haus in Jork zogen Pastor Czycholl und seine Schwester nach seiner Pensionierung, nachdem sie in Halstenbek nichts Passendes gefunden hatten. „Die Nähe zu Hamburg war uns sehr wichtig“, erklärt Rosemarie Czycholl, da die beiden das kulturelle Angebot dort nicht missen wollten. Zusammen gingen sie oft in Kunstausstellungen, die Oper oder in Konzerte, weil beide sich sehr für Kunst und Musik interessieren und beide die klassische Musik sehr lieben. Auch heute wird im Hause Czycholl noch viel gemeinsam gesungen, die Ausflüge sind jedoch weniger geworden, dafür genießen die beiden jetzt Spaziergänge zwischen den Obsthöfen im Alten Land.

Laura Runde

P.S. Pastor Czycholl ist am 21.5.2020 in Jork gestorben.