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Geistliches Wort: „Alles hat seine Zeit...“



Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mein Name ist Alisa Mühlfried und ich bin die neue Vikarin der Kirchengemeinde Halstenbek. Wahrscheinlich hat der Eine oder die Andere mich auch schon mal in der Arche Noah oder der Erlöserkirche gesehen. Mit Vielen habe ich auch schon ein paar Worte gewechselt, aber nun soll noch einmal die Gelegenheit sein, mich Ihnen einmal kurz vorzustellen.

Ich bin 28 Jahre alt und komme aus Hamburg-Allermöhe bei Bergedorf, wo ich geboren und aufgewachsen bin. In meiner Familie wurde die Gemeinschaft der Kirche und der Christen großgeschrieben und ich nahm schon früh am Gemeindeleben teil. Die Menschen, denen ich während meiner Kindheit und Jugend in der Gemeinde begegnet bin, haben mich und meinen Glauben sehr geprägt und bestärkt. Ich hatte sehr viel Spaß daran, mit anderen Jugendlichen zu arbeiten und mich zu engagieren, aber ich habe ehrlich gesagt damals nie über ein Theologiestudium nachgedacht. Meine damalige Pastorin hat lange Gespräche mit mir geführt und mir empfohlen, doch einmal darüber nachzudenken. Nach einem Seminarwochenende der Kirche war dann ganz klar, dass ich Theologie studieren und Pastorin werden möchte! Der Beruf der Pastorin eröffnete sich für mich nochmal neu und vielfältig neben der mir bereits vertrauen Jugendarbeit. Die Begleitung von Menschen in ihren verschiedenen Lebenssituationen ist für mich dabei genauso wichtig wie die Verkündigung des Evangeliums im Gottesdienst. Es fühlt sich nicht an wie „arbeiten gehen“, sondern mehr, als ob ich meine Hobbys und mein Interesse an Glauben und Kirche zum Beruf gemacht habe.

Das Studium war am Anfang durch die Sprachen sehr schwer und an mancher Stelle eine echte Probe für meinen Berufswunsch, aber mein Ehrgeiz war größer als die Hürden und ich habe nach den Startproblemen auch sehr viel Spaß am Studium gehabt. Ich habe im Februar dieses Jahres mein erstes theologisches Examen abgelegt und bin nun Vikarin. Das bedeutet, dass ich mein Studium bereits beendet habe und nun zweieinhalb Jahre die praktische Ausbildung zur Pastorin durchlaufe, wobei mich Pastor Lei als mein Anleiter begleiten und ausbilden wird.

Bereits seit April bin ich als Vikarin hier in Halstenbek, aber der erste Teil des Vikariats wird in der Schule abgelegt, weswegen ich hauptsächlich am Wolfgang-Borchert-Gymnasium unterrichtet habe und mich bisher in der Gemeinde nur beim Konfirmandenunterricht richtig einbringen konnte. Seit Anfang August wohne ich auch hier in der Gemeinde und seit Ende September bin ich voll und ganz in die Gemeindearbeit eingestiegen, wo ich schon voller Begeisterung dabei bin.

Dieses Jahr war für mich sehr aufregend und voller Höhen und Tiefen. Ein großes Examen abzulegen war anstrengend und fordernd, gerade wenn man seinem Ziel, Pastorin zu werden, damit so einen großen Schritt näher kommt. Die Bewerbung fürs Vikariat war besonders aufregend, da meine Kollegen und Kolleginnen und ich erst Anfang März erfahren haben, in welche Gemeinden wir kommen werden. Die Freude darüber, dass ich nach Halstenbek komme, war sehr groß. Dazu gehört natürlich auch, dass ich meine Wohnung in Hamburg Farmsen kündigen und für meine beiden Katzen und mich eine neues Zuhause finden musste.

Während dieser ganzen Zeit hat mich eine Bibelstelle maßgeblich begleitet. Sie steht im Alten Testament, Predigerbuch 3,1 ff. Dort steht: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Die nachfolgenden Verse stellen dann gute und schlechte Momente einander gegenüber: Lachen hat seine Zeit, genauso wie Weinen, Suchen und Verlieren, Schweigen und Reden und noch einiges mehr. Es lohnt sich, mal einen Blick auf diese Stelle zu werfen.

Im Laufe des Jahres habe ich viele schöne, aber auch einige schwierige Momente erlebt und es war manchmal nicht einfach, dieses auf und ab zu akzeptieren. Ich habe meine gewohnte Umgebung verlassen, was nicht leicht war, aber ich bin in eine tolle neue Nachbarschaft gezogen und habe schon so viele neue Gesichter und großartige Menschen getroffen. Das hat mir mal wieder gezeigt, dass schwierige Zeiten auch vorübergehen und aus jedem Zurücklassen auch ein Neuanfang erwachsen kann.

Wir befinden uns nun schon in der Adventszeit und der Rückblick auf diesen Sommer ist mindestens genauso aufregend wie der Blick auf das näher rückende Weihnachtsfest. Auch diese Zeit wird geprägt sein von vielen unterschiedlichen Momenten. Das besinnliche Beisammensein mit Familie und Freunden, aber auch stressigen Nachmittagen beim Weihnachtseinkauf werden wie jedes Jahr wahrscheinlich vorkommen. Die schöne Zeit des Winters, wenn die Bäume weiß von Frost und vielleicht ja auch ein kleines bisschen Schnee sind, aber auch das ständige morgendliche Scheibenkratzen an dem Auto mit kalten Fingern. Für manche Menschen ist die Adventszeit auch schwierig, gerade wenn sie einsam sind oder es deutlich wird, dass das Geld für Weihnachten einfach nicht reicht. Und genau dann ist es nicht einfach, die schönen Dinge sehen zu können, aber vielleicht werden die guten Augenblicke dann auch besonders groß und strahlend.

Ein jegliches hat seine Zeit und alles hat seine Stunde. Das heißt nicht nur, die schlechten Momente auszuhalten und zu akzeptieren. Es heißt vor allem auch die schönen Momente zu schätzen, zu genießen und aufzunehmen, damit die anderen Stunden auch in dieser schönen Zeit vielleicht auch gar nicht mehr so schlimm sind. Die Adventszeit ist für mich so eine Zeit voller Gegensätze. Zwischen Vorfreude und langem Warten, zwischen Kekse naschen und Küche aufräumen, zwischen Familientreffen und Reisehektik. Aber diese Dinge, schön und manchmal nicht so schön, gehören für mich zum Advent einfach dazu und trotz der stressigen Momente genieße ich die schönen umso mehr.

Ich lade Sie natürlich herzlich dazu ein, die besinnliche und hoffentlich meist schöne Adventszeit mit uns in der Kirchengemeinde zu feiern. Dafür gibt es reichlich Gelegenheit bei Gottesdiensten (mein erster, ganz alleine von mir gestalteter Gottesdienst findet am 1. Advent in der Arche Noah statt), auf dem Adventsmarkt oder dem lebendigen Adventskalender. Ich freue mich darauf, noch mehr neue Gesichter kennen zu lernen und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie dürfen mich gerne ansprechen und Fragen stellen!

Ihre Vikarin Alisa Mühlfried