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Geistliches Wort



Wie geht es weiter?

Die letzten Wochen und Monate waren für alle von uns eine große Herausforderung. Als die ersten Meldungen über das Virus aus Wuhan kamen, wurde es von den meisten hier nicht ernst genommen. Im Februar habe ich noch eine Andacht gehalten, die die Grundstimmung hatte: Machen Sie sich keine Sorgen, China ist weit weg, waschen Sie sich die Hände - und gut ist.

Dass es so einfach nicht ist, haben wir alle dann ab spätestens Mitte März gemerkt. Unsere gewohnten Abläufe sind durcheinander geraten, beruflich und privat. So manche Herausforderung war - und ist - zu bestehen.

Sicher ist es Ihnen oder Menschen, die Sie kennen und die zu Ihnen gehören, manches Mal nicht leichtgefallen, mit dieser besonderen Situation gut umzugehen. Sie haben sicher erlebt, dass gut füreinander gesorgt wurde - aber auch, dass mancher sich zurückgezogen hat, keine Hilfe geben oder annehmen mochte. Sie haben auf der Straße, im Supermarkt oder der S-Bahn großen Respekt erlebt, wenn Menschen mit einem freundlichen Lächeln oder Handzeichen den Weg freigemacht und Abstand gehalten haben - aber auch genervt-ängstliches Anmotzen war dabei. Sie haben vielleicht erlebt, wie mancher beruflich aufdrehte, neue Ideen entwickelte und viel geschafft hat - andere, vielleicht auch Sie selbst, mussten allerdings nach einigen Wochen Homeoffice und -schooling feststellen, dass sie kaum etwas Produktives zum Fortbestand der Firma, nicht einmal der Kindererziehung beisteuern konnten.

Betrachten wir das, uns selber und andere, dann seien wir bitte gnädig - mit anderen und mit uns selbst. Wir alle haben in den letzten Wochen mindestens eine Krise mehr als sonst durch- machen müssen. Das ist nicht leicht. Das kann man auch nicht üben. Das fordert uns mehr, als wir denken.

Und nun? Zuende ist es noch nicht, aber diverse Lockerungen im gesellschaftlichen Leben gibt es, manches beginnt schon, anderes will starten.

Wie geht es weiter? Hoffentlich nicht so, dass wir uns in das Alte, in die Dinge, die vor der Coronakrise selbstverständlich und normal waren, einfach wieder reinstürzen und wieder weitermachen, als sei nie etwas geschehen. Wie geht es weiter? Hoffentlich so, dass wir etwas gelernt haben in dieser Zeit. Über das, was wir brauchen und uns gut tut – oder eben nicht. Über Wert und Bestand von Freundschaften - und welche Beziehungen eben keine Kraft mehr haben. Über unsere Stärken und unsere Schwächen. Über Möglichkeiten, die sich in der Politik plötzlich ergeben - und wir uns nun fragen, warum andere Gefahren, die ebenso ernst sind, zu keinen vergleichbaren Konsequenzen führen...

Wie geht es weiter? Hoffentlich so, dass wir klügere und sensiblere Menschen werden.

Ihr Pastor Malte Lei