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Nachhaltige Geldanlage



Geld wirkt. Immer! Wie HalstenbekerInnen ethisch-nachhaltig investieren können

Die Welt muss sich ändern, wir müssen handeln! Klimawandel, Umweltverschmutzung, Zerstörung der Urwälder: Die Probleme sind offensichtlich, die Lösungen bekannt. Die Umsetzung nachhaltigen Handelns in allen Bereichen unseres täglichen Lebens ist jedoch nach wie vor eine Herausforderung, die uns nur selten gelingt.
Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in Schleswig-Holstein möchten wir Sie über die Kriterien zu nachhaltigen Geldanlagen informieren. Wir gehen der Frage nach, wie Anleger sicherstellen können, dass ihre persönlichen Werte bei der Geldanlage berücksichtigt werden. Geld ist der größte Hebel, um Lösungen für globale Herausforderungen zu unterstützen. Was passiert, wenn viele Menschen ihre Geldströme neu lenken? Ältere HalstenbekerInnen erinnern sich noch an 1995, als der Ölkonzern Shell plante, seine Ölplattform BrentSpar im Meer zu versenken. Greenpeace rief zum Boykott von Shell-Tankstellen auf, der Umsatz der Tankstellen brach um 50% ein. Nach wenigen Wochen beugte der Weltkonzern sich dem Druck der VerbraucherInnen und entsorgte die Plattform an Land.


Gutes Geld – Wie geht das?
Die Vereinten Nationen haben im September 2015 mit der Agenda 2030 globale Ziele für eine nachhaltige Entwicklung beschlossen haben. In der Resolution der Generalversammlung „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ heißt es:

Wir sind entschlossen, von heute bis 2030
► Armut und Hunger überall auf der Welt zu beenden
► die Ungleichheiten in und zwischen Ländern zu bekämpfen
► friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften aufzubauen
► die Menschenrechte zu schützen und Geschlechtergleichstellung
► die Selbstbestimmung der Frauen und Mädchen zu fördern
► den dauerhaften Schutz unseres Planeten und seiner natürlichen Ressourcen sicherzustellen.

Wir sind außerdem entschlossen
► die Bedingungen für ein nachhaltiges, inklusives und dauerhaftes Wirtschaftswachstum
► geteilten Wohlstand und menschenwürdige Arbeit für alle zu schaffen, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Entwicklungsstufen und Kapazitäten der einzelnen Länder.


Es wurden dafür auf internationaler Ebene gemeinsame Ziele vereinbart, die Sustainable Development Goals (SDGs). Mit ihrem privatem Geld können auch HalstenbekerInnen umsteuern: so dass die Zielerreichung der SDGs mindestens nicht behindert, besser unterstützt wird.

Geld wirkt. Immer.
Best Practise: Investition in Erneuerbare Energien:
Der Energiebedarf in Entwicklungs- und Schwellenländern nimmt stetig zu. Gleichzeitig leiden gerade dort die Menschen am meisten unter den Folgen des Klimawandels, der wesentlich durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe in Industrieländern vorange trieben wird.
Mikrofinanz-Fonds finanzieren u.a. kleine, netzferne Anlagen zur dezentralen Stromversorgung, die vor Ort Strom oder Wärme produzieren. Diese können selbst entlegene Dörfer in Entwicklungs- und Schwellenländern versorgen und so die Lebensbedin- gungen der Menschen dort verbessern.
Die Idee, durch bewusste Lenkung von Geldströmen in Ethisch-Nachhaltige Geldanlagen Unternehmen und Staaten als Emittenten von Wertpapieren zur Umsetzung nachhaltigen Handelns zu motivieren ist also keineswegs neu. Durch die Fridays-for-Future-Bewegung ausgelösten globalen Massenproteste breiter Kreise der Zivilgesellschaften bekommt sie enormen Auftrieb.

Wie jedoch können Anleger*Innen ihre persönlichen Prinzipien der Nachhaltigkeit und ethische Grundsätze bei der Geldanlage zu konkretisieren?
Jede(r) hat eigene Werte und definiert auf dieser Basis Nachhaltigkeit individuell. Es gibt nicht den „nachhaltigen“ Fonds. Vielmehr gibt es Fonds, die den eigenen, persönlichen Werten und Normen entsprechen und die jede(r) für sich selbst mehr oder weniger als „nachhaltig“ bewertet. Das gleiche gilt für Unternehmen, in deren Aktien oder Anleihen ich investieren möchte.
Es gibt einige wenige offizielle Bewertungen von Produkten (Siegel), zudem gibt es mehrere Nachhaltigkeits-Ratingagenturen, die jedoch der breiten Öffentlichkeit bislang wenig bekannt sind. Es fehlt an einheitlichen Begrifflichkeiten und allgemeinen Standards. Daher können Anbieter ihre Produkte als „nachhaltig“ bewerben; die Begründung kann beliebig sein. Der Begriff ist bei der Kapitalanlage bislang (noch) nicht geschützt.
Dies alles, in Verbindung mit der Unbestimmtheit des Begriffes der „Ethik“ oder „Nachhaltigkeit“, bei der jeder Mensch natürlich persönliche Werte mit in die eigene Definition einbaut, führt zu Intransparenz und Unbestimmtheit.

Der Unterschied zwischen ethisch-nachhaltigen Geldanlagen und klassischen Geldanlagen
Die klassische Geldanlage betrachtet bisher ausschließlich ökonomische Aspekte „Rendite“ – „Sicherheit“ – Liquidität“ als sogenanntes „Magisches Dreieck“ der Kapitalanlage. In der Beratung werden diese Aspekte dabei so zueinander gewichtet, dass die finanziellen Ziele der Geldanlage der Anleger*innen in einem möglichst hohen Umfang erreicht werden sollen. Betrachtet wird hier also ausschließlich die Wirkung der Kapitalanlage auf die finanziellen Ziele der Investor*innen.

In der ethisch – nachhaltigen Geldanlage wird dieses „Magische Dreieck“ um die vierte Dimension, der „Nachhaltigkeit“ ergänzt. Somit werden weitere, zusätzliche Risiken der Geldanlage betrachtet, die sog, ESG-Risiken.

Ethisch-Nachhaltige Kapitalanlagen bevorzugen also Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen auf Basis von hohen ethischen Standards der Unternehmensführung eine messbare soziale und/oder ökologische Wirkung versprechen.

Aus Sicht der Kapitalanleger*innen werden hier neben der persönlichen, finanziellen Zielerreichung des Investors zusätzlich die Auswirkungen der Kapitalanlage auf die Umwelt (Ökologie) und Gesellschaft (Sozialverträglichkeit) untersucht.

Innerhalb der Kapitalanlage werden hier zusätzliche Risiken, die sich aus kontroversem Geschäftsgebaren der Unternehmen gegenüber der Umwelt, Gesellschaft oder zukünftigen Generationen ergeben, mitberücksichtigt. Chancen auf eine überdurchschnittliche Wertentwicklung ergeben sich durch die Berücksichtigung der Kriterien für „Gute Unternehmensführung“.

Ein Beispiel: Ein Aktienfonds, der ausschließlich nach klassischen Anlagegrundsätzen anlegt und beispielsweise den deutschen Aktienmarkt abbilden soll, wird als sog. Benchmark (Vergleichsgröße) den DAX abbilden. Dort wird eine Aktie wie die der Deutschen Bank enthalten sein.
Ein Aktienfonds mit zusätzlichen ethisch-nachhaltigen Anlagerichtlinien wird diesen Wert hingegen aufgrund der Vielzahl der Vergehen aus dem Bereich der „Guten Unternehmensführung“ nicht in sein Portfolio aufnehmen können. Dies geschieht aus Sicht der Anleger, weil dieses Unternehmen aufgrund seines kontroversen Geschäftsgebarens abgelehnt wird, weil dieser Wert deshalb zu viele Risiken beinhaltet.



In Blau: Kursverlauf der Aktie der Deutschen Bank; Grün: Kursverlauf der Umweltbank im Vergleich

Dass diese Wertentwicklung nicht nur der allgemeinen Marktentwicklung geschuldet ist, zeigt der Vergleich mit dem Verlauf des Kurses der Umweltbank im gleichen Zeitraum.
Dies ist ein Beispiel dafür, dass die zusätzlichen ethisch-nachhaltigen Anlagerichtlinien durch die Ausschlusskriterien auch als zusätzlicher Risikofilter dienen können. Die Idee, die dahinter steht: kontroverses Geschäftsgebaren rechnet sich auf lange Sicht nicht: weder für den Aktienwert des Unternehmens, noch für die Anleger.

Die einfache Lösung:
Wir wählen Kapitalanlagen, die statt den klassischen Indizes DAX, Euro Stoxx, Dow Jones etc. Ausschlusskriterien beinhalten, sogenannte Nachhaltigkeitsindizes.

Beispiel: Der Global Challenges Index (GCX)
Der GCX wurde am 03.09.2007 von der Börse Hannover in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeits- Ratingagentur ISS-oekom ins Leben gerufen. Er spiegelt die Performance von 50 ausgewählten Aktien internationaler Unternehmen wieder, die sich in besonderem Maße mit den globalen Herausforderungen auseinandersetzen. Dabei wird geprüft, ob die Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die zur Erreichung der SDGs beitragen oder zuwiderlaufen.

Ausschlusskriterien:
Atomenergie, grüne Gentechnik, Pestizide, Fossile Brennstoffe, Rüstung, kontroverse Geschäftspraktiken, kontroverses Umweltverhalten.

Positivkriterien:
Die Unternehmen müssen in einem Bereich der globalen Herausforderungen, abgeleitet aus den SDG, wesentliche Beiträge zur Zielerreichung beitragen. Eine Begründung, warum bestimmte Unternehmen in den Index aufgenommen wurden, liefert der Indexbetreiber unter http://gcindex.boersenag.de/de/index/indexstruktur/unternehmens_uebersicht.php

Hilfen zur Überprüfung von bestehenden Kapitalanlagen
Stellen Sie diese Fragen Ihren Finanzberater*innen oder recherchieren Sie als Selbstentscheider*in:

1. Welchen Aktien-/Börsenindizes folgen meine bestehenden Kapitalanlagen?
Werden die Ausschlusskriterien durch Investition in Unternehmen mit den Geschäftsfeldern „Rüstung“, „fossile Brennstoffe“, „Kernenergie“ und/oder „Verletzungen der UN Global Compact Prinzipien“ verletzt?
Falls die Frage positiv beantwortet wird, kann der Fonds/das Produkt grundsätzlich nicht als ethisch nachhaltige Geldanlage gelten.
Folgen Ihre Fonds den Standardindices wie DAX, EuroStoxx, S&P oder MSCI World ist von einer Verletzung der Ausschlusskriterien auszugehen. (s.o.)
2. Folgt der Fonds/die Kapitalanlage den Richtlinien bekannter Nachhaltigkeitsindizes?
Welchen?
3. Welche Ausschlusskriterien werden konkret berücksichtigt und in den Anlagerichtlinien benannt?
4. Welche Positivkriterien (SDGs) werden berücksichtigt?
5. Weitere Infos und Quellen finden Sie unter unter https://venga-ev.org/

Martin Nieswandt
Vorstand des gemeinnützigen Vereins Venga e.V.



Vorträge und Diskussion mit Beiträgen von VenGa eV., dem Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein und oikocredit Norddeutschland am

► Mittwoch, 23. September 2020 , 19 – 21 Uhr
Arche Noah, Haselweg 27, 25469 Halstenbek

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, jedoch bitten wir aufgrund der aktuellen Covid19-Situation und den damit verbundenen Hygienemaßnahmen um Anmeldung via mn@venga-ev.org oder +49 176 84192167