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Mit allen Wassern gewaschen:
Lasst uns über Taufe reden!



Die Taufe ist eines der wichtigsten Rituale des Christentums. Wir feiern in einem Gottesdienst die Aufnahme eines neuen Gemeindemitglieds und auch das neue Mitglied der christlichen Gemeinschaft weltweit. Aber auch wenn man es als Kirchenmitglied schon oft erlebt hat, wie ein Pastor oder eine Pastorin einem Kleinkind Wasser über die Stirn träufelt und dabei wichtige Worte spricht, gibt es Fragen, die oft nicht gestellt werden. Warum taufen wir eigentlich und was bedeutet es? In welchem Zusammenhang stehen Wasser und Taufe? Ich will heute mal diesen Fragen auf den Grund gehen und versuchen, von Anfang an zu erklären, was die Taufe so besonders macht.



Die Geschichte der Taufe

Die Taufe eines Kindes oder Erwachsenen bedeutet die Aufnahme in die christliche Gemeinschaft und die Bestätigung des christlichen Glaubens. Aber warum ist das so?

Schaut man in die Bibel, ist dort die Wurzel der Taufe zu finden bei, wie soll es auch anders sein, Johannes dem Täufer. Johannes wanderte durch Palästina und predigte die Taufe als Zeichen der Buße und Umkehr (Markus 1,4). Die Menschen ließen sich von ihm im Fluss Jordan komplett untertauchen als Zeichen des Neubeginns und der Umkehr. Auch Jesus kam zu Johannes und ließ sich so taufen. In den Evangelien wird beschrieben, dass in diesem Moment der Geist Gottes wie eine Taube auf Jesus niederfuhr (Markus 1,10; Matthäus 3,16; Lukas 3,22). Es wird dadurch symbolisch ausgedrückt, dass Gott mit Jesus eine Verbindung zwischen den Menschen zu ihm schafft. Jesus selbst hat nach dem Zeugnis der Evangelien nicht getauft, aber er hat seine Jünger und Jüngerinnen dazu beauftragt:
„Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Matthäus 28,19). Aus dieser Tradition heraus taufen auch wir heute und verlesen genau diesen Vers, wenn getauft wird.
In der Apostelgeschichte erfahren wir, wie die ersten christlichen Gemeinden getauft haben. Sie sahen es als Aufnahmeritual an (Apostelgeschichte 2,41), welches sich von den jüdischen oder heidnischen Ritualen unterschied. Daraus wurde schließlich ein so bedeutsames und bindendes Ereignis, dass es zu einem Sakrament wurde – einem heiligen Ritual.
Ganz früher, zu antiken Zeiten, war eine Taufe ein großes Ereignis. Nur Erwachsene durften getauft werden und es bedurfte einer wochenlangen Vorbereitung. Die Anwärter*innen mussten über den christlichen Glauben und die Bibel belehrt werden, damit sie auf das christliche Leben vorbereitet waren. Es wurde gefastet und ein besonderer Gottesdienst gefeiert. Nach einer langen Nachtwache wurden sie dann im Morgengrauen in einem Fluss ganz untergetaucht und so getauft. Kinder wurden damals fast nie getauft, was mit dem Verständnis von Sünde und Schuld zu tun hat. Als das Christentum sich noch entwickelt hat, wollte man nach der Taufe möglichst „rein“ bleiben und fürchtete, doch noch eine Sünde zu begehen. Deswegen haben sich viele Menschen, obwohl sie schon lange christlich gelebt haben, erst auf dem Sterbebett taufen lassen. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist der Kaiser Konstantin, der sich erst kurz vor seinem Tod von einem Bischof taufen ließ.

Im späteren Verlauf entwickelte sich ein komplett gegenteiliger Trend. Im Mittelalter wurde fast jedes Kind so schnell wie möglich getauft. Im Laufe der Zeit war nämlich die Idee entstanden, dass die Taufe heilsnotwendig sei, das heißt: Wer nicht getauft ist, kommt nicht in den Himmel. Oder noch schlimmer: in die Hölle. Damals starben leider viele Kinder, manchmal auch schon bald nach der Geburt, und Eltern wollten „auf Nummer sicher gehen“. Sie ließen daher keine Zeit verstreichen, um ihr Kind taufen zu lassen.
Heute denken wir nochmal anders darüber. Der Zeitpunkt, wann ein Mensch getauft wird, spielt keine so große Rolle mehr. Ob jemand sein Kind im Kleinkindalter taufen lassen möchte oder erst später, ist ganz den Eltern überlassen. Grundlegend gilt: Jedes Kind, getauft oder nicht getauft, ist von Gott geliebt und angenommen. Mit der Taufe wird das nochmal bestätigt und verstärkt: Stellvertretend für das Kind sagen die Eltern ja dazu, dass ihr Kind in der christlichen Gemeinschaft und bewusst mit Gottes Liebe aufwachsen soll.
Wenn ein Kind nicht getauft wurde, darf es trotzdem am Konfirmandenunterricht teilnehmen und wird dann vor der Konfirmation getauft. Mit 14 Jahren ist man in Deutschland religionsmündig, d.h., dass der oder die Jugendliche sich ohne das Einverständnis seiner Eltern taufen lassen kann. Umgekehrt können die Eltern für den Jugendlichen nicht mehr entscheiden.

Warum taufen wir?

Was passiert mit einem Menschen, Kind oder Erwachsen, wenn er getauft wird? Dafür lohnt es sich, einmal in den Ablauf einer Taufe zu schauen. Egal ob in einem großen Gottesdienst oder als kleine Veranstaltung, es läuft immer ungefähr so ab: Die Pastorin oder der Pastor hält eine kleine Predigt, entweder zum Thema Taufe allgemein oder persönlich auf den Täufling und seine Familie zugeschnitten. Dann folgt der Vers aus dem Matthäusevangelium, der schon erwähnt wurde. Für die Taufe ganz wichtig sind dann bei einem Kind unter 14 die Eltern und die Taufpaten (bei einer Erwachsenentaufe sind die nicht mehr notwendig). Die Eltern werden ganz offiziell gefragt, ob sie mit der Taufe ihres Kindes einverstanden sind. Dann werden die Paten gefragt, ob sie bereit sind, das Kind als Vorbilder der Gemeinde zu begleiten und in Fragen des Glaubens und Lebens zu unterstützen. Bei einem Erwachsenen wird der Täufling gefragt, ob er getauft werden möchte. Wurde alles mit einem feierlichen „Ja“ oder „Ja, mit Gottes Hilfe“ beantwortet, geht es auch schon richtig los: Eltern, Paten und Täufling stellen sich an das Taufbecken, in welches vorher Wasser eingegossen wurde. Meistens macht das der Pastor oder die Pastorin, manchmal auch kräftig unterstützt von einem älteren Geschwisterkind. Das Kind wird über das Taufbecken gehalten, größere Kinder stellen sich daneben. Die Pastorin oder der Pastor nimmt dann dreimal etwas Wasser in die Hand und benetzt die Stirn des Täuflings mit etwas Wasser. Dabei sagt er oder sie laut „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.“ Dann folgt ein kurzer Segen, der zeichenhaft zum Ausdruck bringt, dass Gott in guten wie in schweren Zeiten, im Leben wie im Sterben dem Täufling beistehen wird. Ein Pate kann dann die Taufkerze an der Osterkerze entzünden und den Taufspruch verlesen. Die Taufkerze sollte als ein besonderes Erinnerungsstück aufbewahrt werden. Sie kann zu Geburtstagen, Tauferinnerung und auch am Tauftag angezündet werden. Dann folgt ein Segen von der Pastorin oder dem Pastor für die Paten und Eltern - und in unserer Halstenbeker Gemeinde gibt einen kräftigen „Willkommensapplaus“ für das neue Mitglied. Danach setzen sich alle wieder hin und der Gottesdienst geht wie gewohnt weiter.
Da passiert schon einiges bei so einer Taufe, aber die Frage ist ja: Warum das Ganze? Warum taufen wir mit Wasser? Warum wird dreimal Wasser aus dem Taufbecken geschöpft? Warum nicht im Namen der Kirchengemeinde? Verändert sich der Getaufte?

Das Wasser hat verschiedene Bedeutungen: Es steht für das Leben, für das Wachsen und Gedeihen in der Welt. Gleichzeitig kann Wasser aber auch sehr bedrohlich sein und das Leben gefährden. Wir taufen auch mit Wasser, weil es „rein“ macht. Das Wasser an sich ist dabei nichts besonderes, es wird durch die Berührung nicht magisch oder heilig. Es ist auch nicht so wichtig, mit welchem Wasser getauft wird. Man kann zum Beispiel auch in einem Fluss oder an einem See taufen. Auch eine große Schüssel mit Wasser zuhause kann als Taufbecken dienen.
Wir entnehmen dreimal Wasseraus dem Taufbecken, weil wir im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen. Das Ritual der Taufe ist nicht orts- oder namensgebunden. Die Taufe gilt nicht nur in Halstenbek oder Deutschland, sondern überall auf der Welt, in jeder christlichen Gemeinschaft. Wer getauft ist, bekennt sich zum dreieinigen Gott, und das verbindet alle Christen der Welt, egal ob katholisch, evangelisch, orthodox, baptistisch oder freikirchlich miteinander.

Wenn Jemand getauft ist, gehört er oder sie zur Kirchengemeinde, darf sich an der Gestaltung beteiligen und z.B. den Kirchengemeinderat mitwählen. Ein Kirchenmitglied darf Pate oder Patin für einen anderen Täufling werden, kirchlich heiraten und bekommt eine kirchliche Bestattung. Kleine Kinder können sich noch nicht zum christlichen Glauben selber bekennen. Die Konfirmation ist dann die Möglichkeit, selbständig seinen Glauben und seine Taufe zu bestätigen.

Die Taufe bedeutet, „ja“ zu sagen. Man sagt: „Ja, ich möchte mich zu Gott bekennen, bestätigen, dass ich zu Gottes wunderbarer Schöpfung gehöre.“ Oder: „Ja, mein Kind soll bewusst in Gottes Liebe aufwachsen und schon früh Begleitung durch Gott und die Kirche erfahren.“ An Gott zu glauben, bedeutet für uns Christinnen und Christen auch, an Jesus Christus als den Auferstandenen und Erlöser zu glauben. Als Christen und Christinnen glauben wir, dass Jesus Christus den Tod überwunden hat und für uns alle das ewige Leben ermöglicht. Die Taufe soll auch „reinwaschen“ von der Sünde. Dabei sind nicht Sünden, die ein Mensch begangen hat oder begangen wird, gemeint. Ein kleines Baby kann ja auch gar nicht sündigen! Gemeint ist ein symbolisches Reinwaschen von dem, was Gott und Mensch trennt. Die Sünde, wie im Garten mit Adam und Eva, ist uns einfach passiert. Wir leben als Menschen, die sich nach Gott sehnen, nach seiner Geborgenheit und Nähe, aber etwas hält uns auf und trennt uns von ihm. Wir sind halt alle Menschen, wir handeln und denken manchmal schlecht, ohne es zu wollen. Jesus Christus war auch Mensch, aber er war auch Gott. Er war auch ein Vermittler, der die Menschen und Gott wieder näher zueinander gebracht hat. Durch die Taufe waschen wir ab, was uns von Gott trennt, das Schlechte und Böse. Das heißt nicht, dass wir böse waren oder uns nie wieder Schlechtes widerfährt, sondern dass wir nun zu Gott gehören aus uns heraus.

Vikarin Alisa Mühlfried


TAUFE: DER FAKTENCHECK

Abgesehen von der ganzen Theorie und Lehre der Taufe, so ist sie doch etwas Alltägliches im christlichen Leben. Gibt es den Wunsch zur Taufe, treten manche praktische Fragen auf. Hier die wichtigsten FAQ und Fakten zum Thema:

Wer darf wann getauft werden?
Bei Kindern unter 14 Jahren müssen beide Elternteile der Taufe zustimmen, auch wenn sie getrennt leben. Einen besonders guten Zeitpunkt für die Kindertaufe gibt es nicht, aber die meisten Kinder werden zwischen 6 und 12 Monaten getauft. Jeder Mensch über 14 Jahre darf selbst entscheiden, ob er getauft werden möchte. Wichtig ist, dass derjenige noch nicht (als Kind) getauft ist. Bei einem Wechsel des Wohnortes, der Kirchengemeinde oder der christlichen Gemeinschaft wird nicht erneut getauft, eine „Wiedertaufe“ ist nicht möglich.

Müssen beide Elternteile in der Kirche sein?
Nein. Es ist ausreichend, wenn ein Elternteil in der Kirche ist. Beide Elternteile müssen aber der Taufe zustimmen. In Ausnahmefällen kann auch getauft werden, wenn keines der Elternteile Mitglied der Kirche ist. Mit dem Pastor oder der Pastorin wird das dann besprochen und individuell entschieden.

Kann man eine Taufe ungeschehen machen?
Nein. Einmal getauft – immer gültig. Ein Mensch kann entscheiden, dass er aus der Kirche austreten möchte und ist dann kein Mitglied der Kirche mehr, aber trotzdem getauft.

Wozu sind Taufpaten da?
Wer Taufpate wird, übernimmt ein Amt. Ein Taufpate soll das getaufte Kind begleiten und kirchlich miterziehen. Das bedeutet, wenn es Fragen zur Bibel oder zum Glauben gibt, sie dem Kind wahrheitsgemäß zu beantworten, mit und auch für das Kind zu beten und dabei zu unterstützen, dass das Kind seinen Weg in die Gemeinde findet. Paten und Patinnen sollen verlässliche Bezugspersonen sein.

Müssen Taufpaten Mitglied der Kirche sein?
Ja, wer das Amt des Paten oder der Patin übernehmen möchte, muss Kirchenmitglied sein. Jemand, der ausgetreten ist, kann dieses Amt grundsätzlich nicht mehr übernehmen. Das liegt daran, dass die Taufpaten die Kirchengemeinde und den Glauben vertreten sollen. Man kann nicht etwas glaubwürdig vertreten, wovon man sich abgewandt hat und wahrscheinlich auch nicht dahinter steht. Es kann aber, zusätzlich zu den Taufpaten, die sog. Taufzeugen geben. Diese müssen nicht Mitglied der Kirche sein und werden in die Zeremonie eingebunden. Es ist aber nicht dasselbe Amt wie ein Taufpate, Taufzeugen werden daher auch nicht in die Kirchenbücher oder die Taufurkunde eingetragen.

Muss ein Kind getauft sein, um am Konfirmandenunterricht teilnehmen zu können?
Nein. Die Jugendlichen können den Unterricht besuchen und werden im Laufe des Jahres getauft.

Was passiert in einem Taufgespräch?
Wenn eine Taufe angemeldet wird, ob nun von den Eltern eines Kindes oder einem Erwachsenen, dann wird vorher ein Taufgespräch geführt. Das heißt, dass der Pastor oder die Pastorin, der oder die die Taufe durchführen wird, sich mit der Tauffamilie und dem Täufling trifft. Im besten Fall findet das Gespräch mit beiden Elternteilen, gerne auch mit den Taufpaten statt. So ein Gespräch ist keine Prüfung des Glaubens oder besonderer Frömmigkeit, sondern ein lockeres, offenes Gespräch. Man redet über den Täufling, die Vorstellungen einer Taufe und auch, was die Taufe für die Familie und den Täufling bedeutet. Die Familie und der Pastor/die Pastorin lernen sich so besser kennen und bereiten den Taufgottesdienst vor.

Wie melde ich mich oder mein Kind zur Taufe an?
Die Taufe wird im Kirchenbüro, Tel. 473565 angemeldet. Grundsätzlich ist die Taufe in jedem Gottesdienst möglich, manche Sonntage eignen sich thematisch (z.B. Volkstrauertag) oder organisatorisch (z.B. Heilig Abend) nicht so gut. Zur Anmeldung ist die Geburtsurkunde mitzubringen. Paten, die nicht in Halstenbek wohnen, müssen sich von ihrer Heimatkirchengemeinde einen Patenberechtigungsschein ausstellen lassen. Bei der Wahl des Tauftermins kann es evtl. von Interesse sein, welcher Pastor oder welche Pastorin an dem Sonntag Dienst hat und damit die Taufe übernimmt. Diese Info kann man entweder der Gottesdienstübersicht in der Mitte des Gemeindebriefes entnehmen oder im Kirchenbüro sowie bei Pastorin Rogmann, Pastor Lei und Vikarin Mühlfried erhalten.





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