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Geistliches Wort



Alle Jahre wieder - dieses Jahr ganz anders

Während ich diese Zeilen schreibe ist es Anfang November und noch nicht genau abzusehen, mit welchen Einschränkungen wir genau in dieser Advents- und Weihnachtszeit werden leben müssen. Es zeichnet sich aber immer mehr ab: Dieses Jahr wird manches anders. Den Glühwein auf dem Markt wird es nicht geben, Lichter ja, aber keine Stände mit Gebäck und Kunsthandwerk. Kein adventliches Ausklingen des Arbeitstages mit Kolleginnen oder zufälliges Treffen von Bekannten mit heißer Waffel in der Hand.
In den Familien laufen erste Gespräche dazu, wie es wohl werden wird an Weihnachten. Wird die Oma zu Besuch kommen dürfen oder sollte man dieses Jahr, auch wenn ein Besuch gestattet wäre, von sich aus darauf verzichten, um kein Risiko der Übertragung einzugehen? Die Vorstellung, dem eigenen Bruder, der eigenen Schwester das Geschenk nur mit ausgestrecktem Arm zu überreichen oder gänzlich darauf verzichten zu müssen, ist eine befremdliche Vorstellung und doch nicht abwegig in dieser Zeit.

Auch bei uns in der Kirchengemeinde machen wir uns viele Gedanken, wie wir Weihnachten in den Kirchen begehen können. Wie lässt sich bei Einhaltung aller Abstands- und Hygieneregeln die nötige weihnachtliche Nähe herstellen? Auch beschäftigt uns, wie wir möglichst vielen Menschen die Gelegenheit geben können, einen Gottesdienst drinnen oder draußen zu besuchen. Dazu haben wir uns ganz neue Angebote für Sie überlegt, von denen wir hoffen, dass wir sie auch so umsetzen dürfen. Näheres finden Sie dazu in diesem Heft.

Keine Frage: Diese Zeiten verlangen uns einiges ab. Für die einen Verzicht auf körperliche Nähe und lieb gewonnene Gewohnheiten, für die anderen körperliche Leiden oder existentielle Bedrohungen.

Gerade in dieser angespannten Zeit sehnen wir uns nach einer unbeschwerten Adventszeit, einem harmonischen Weihnachtsfest. Gerade jetzt bräuchten wir ein Weihnachten wie wir es kennen oder erträumen.
In diesem Jahr wird uns ganz neu bewusst, was sehnsüchtiges Warten bedeuten kann. Denn unbeschwertes Leben und Arbeiten scheint erst wieder möglich zu werden, wenn ein Impfstoff oder ein wirksames Medikament gefunden ist. In der heutigen Zeit, in der wir es gewohnt sind, heute zu bestellen und morgen geliefert zu bekommen, fällt das Warten nicht so leicht. Diese Zeit, in der wir uns mit den Gegebenheiten arrangieren und auch auf Einiges verzichten müssen, kann aber auch Gelegenheit geben, sich zu fragen:
Welche Gewohnheit ist mir wichtiger als ich gedacht hätte? Was ist mir für mein Leben bedeutsam geworden? Wie kann ich zu den Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, Kontakt aufnehmen, auch wenn ich sie nicht sehe? Wie drücke ich meine Zuneigung aus - auch wenn ich keinen Glühwein ausgeben kann?

Die Antworten, die Sie für sich auf diese Fragen finden, können Sie leiten, auch über die Zeit der Pandemie hinaus.

Wie soll es nun aber in diesem besonderen Jahr Advent und Weihnachten werden?
Ein Blick in die Bibel hilft weiter, denn da lesen wir, dass Advent nicht nur die Zeit des Wartens, sondern auch Zeit des Hoffens ist. Die Worte der Bibel machen uns Mut, die Hoffnung nicht zu verlieren. Denn uns ist zugesagt: „Das aufstrahlende Licht aus der Höhe wird uns besuchen, um allen zu leuchten, die sitzen in Finsternis.“ (Lk 1,78f)

Adventsstimmung kann da aufkommen, wo ich mich dieser Botschaft öffne. Mit jeder Kerze, die ich für mich allein oder im Kreis der engsten Familie entzünde, zeige ich: Auch in der Dunkelheit gibt es Licht. Wir setzen der Dunkelheit etwas entgegen und warten weiter, auch wenn es mal schwerer und mal leichter fällt. Auch wir selbst können ein Licht für andere werden, wenn wir zum Telefonhörer greifen oder auch mal wieder zum Füllfederhalter und einen Brief per Hand schreiben.

Weihnachten wird anders werden in diesem Jahr, keine Frage. Doch es gibt Grund zur Vorfreude und Grund zum Feiern: Denn eines bleibt: Gott kommt in diese Welt und will mit uns sein. Er stellt sich an unsere Seite und hilft tragen, so viel wie wir es gerade brauchen.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit grüßt Sie und wünscht Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit

Ihre Pastorin Katja Rogmann